Presse
21.08.2020

Raus aus der Schmuddelecke

Weil die Mieten stabil sind und es neue Förderungen gibt, bauen immer mehr private Investoren Sozialwohnungen. Ein Engagement mit Risiken – für Unternehmen und Mieter


München. Die Lage könnte schöner kaum sein. Im Stadtteil Au, nahe der Isar und trotzdem im Zentrum Münchens. Hier, auf dem ehemaligen Gelände der Paulaner Brauerei, baut die Bayerische Hausbau Eigentumswohnungen. Sie kosten so viel, wie es in München eben üblich ist: Ein Studio geht für mehrere hunderttausend Euro weg, eine Drei-Zimmer Wohnung für eine Million. Es wird aber auch acht Häuser mit Mietwohnungen geben, die für Menschen mit geringerem Einkommen erschwinglich sind. 74 sind öffentlich gefördert, weitere 32 preisgedämpft. Die hat die Bayerische Hausbau im vergangenen Jahr verkauft – an Hausinvest, einen offenen Immobilienfonds, betrieben von Commerz Real. Für die Commerzbank-Tochter war das nur der Anfang: In diesem Jahr hat sie in München weitere 146 geförderte Wohnungen erworben, im Stadtteil Allach auf dem sogenannten Diamaltpark. Commerz Real ist nicht der einzige Fondsanbieter, der das lange verpönte Segment als Anlage entdeckt. Auch andere interessieren sich zunehmend für die Marktnische, die traditionell als renditeschwach galt. Der Münchner Vermögensverwalter Catella etwa platzierte im Mai einen Fonds „Immobilien mit sozialer Verantwortung“; wenig später legte der Frankfurter Portfoliomanager Industria Wohnen, der zur M.M. Warburg Gruppe gehört, einen Spezialfonds für institutionelle Investoren auf. Ein Viertel des Anlagevolumens soll planmäßig in Sozialwohnungen fließen – ein Novum auf dem deutschen Anlagemarkt. „Das Segment hat sein Negativimage verloren“, sagt Stefan Behrendt, Senior Research Analyst der Frankfurter Investmentberatung Dr. Lübke&Kelber. Investoren dürfen zwar keine hohe Renditen, dafür Sicherheit erwarten. In fast allen Großstädten gibt es lange Wartelisten für die subventionierten Wohnungen. Weil die öffentliche Hand das Thema lange vernachlässigte und Private wenig Interesse zeigten, fielen jedes Jahr mehr Sozialwohnungen aus der Bindung, als neue hinzukamen: Gab es 2006 noch mehr als zwei Millionen, so waren es 2018 nur noch knapp 1,2Millionen. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung errechnete im vergangenen Jahr, dass allein in den 77 deutschen Großstädten etwa 1,9 Millionen günstige Wohnungen fehlen.

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