Neuigkeiten
28.01.2019

Trendsetter Amsterdam – die Stadt, in die alle wollen

Amsterdam ist bei Reisenden gefragt wie nie zuvor. Bei Konzepten, aber auch in der Hotelarchitektur ist die Stadt weltweit vorn mit dabei. Alle namhaften Player haben dort in den letzten Jahren kräftig investiert. Hotelexperte Reiner Nittka war für die AHGZ zwei Tage unterwegs


Es war die zweite Reise in zwei Jahren – weil die Stadt Amsterdam so spannend und innovativ ist. Für die Hotelbetreiber heißt diese Situation aber nicht nur, dass sie ihre Zimmer mit hoher Wahrscheinlichkeit zu guten Preisen vermieten können. Durch die Fülle an Neueröffnungen bilden sich Trends hier schneller ab als anderswo und können – auch mit ei-ner gewissen Lust am Risiko – gesetzt werden. So ist Amsterdam heute ein Art Wundertüte, die einem einen so umfassenden Über-blick über die moderne Hotellerie bietet wie kaum eine andere Stadt. Wir können uns dabei nicht nur in Sachen Hotelkonzepte, sondern auch bei der Architektur so einiges abschauen. Begleiten Sie mich auf meiner zweitätigen Tour durch die Hotellandschaft!

 

 

The Hoxton

Für unsere Übernachtung haben wir uns das Hoxton mit 111 Zimmern ausgesucht, in superzentraler Lage mitten in den pittoresken De 9Straatjes, einem Zusammenschluss vieler szeniger Shops, Boutiquen und Gastronomien. Ein guter Start in den Tag, wie wir es bereits aus Metropolen wie London und Paris kennen. In dem denkmalgeschützten Altbau (ehemaliges Rembrandt Classic Hotel) wird man von einer Sammlung echter Vintage-Stühle empfangen. Marcel Breuer oder die Halabala-Klassiker aus den 30er Jahren machen Lust auf Mehr. Cooler Berlin-Style mit einer Lounge Area in einem Mezzanine Geschoss und der darunterlie-genden Bar ist hier weiterentwickelt worden. Und die Macher haben es auch geschafft, innerhalb kürzester Zeit zum Hot-Spot der Szene zu werden. Der Innenhof dient dabei als gemeinsame Küche- und Getränkezone, für die Pause, für den Austausch, kurz: als öffentliches Wohnzimmer. Die Zimmer sind zwar schmal, aber sehr effektiv und komplett ausgestattet: ein cooles Bad im derzeitig angesagten Kupfer, Vintage-Charakter und schwarzen Fliesen. Im Januar kostet hier die Nacht ab 220 Euro aufwärts im Doppelzimmer.

 

 

Kimpton DeWitt

Wir schlendern rüber ins erste und derzeit noch einzige Kimpton Europas, eine mehemaligen Crowne Plaza Hotel. Auch hier wird mit der Vintage-Idee gespielt - einheitliche Einrichtungskonzepte sind zumindest für die öffentlichen Räume passé. Typisch für das enge Amster-dam,ziehtsichdasHoteldurchins-gesamt fünf Gebäude, drei davon noch aus Zeiten der Renaissance. Das Refurbishment ist gelungen. Im Erdgeschoß empfängt uns ein sehr sachlicher, leicht unterkühlter Style, der Assoziationen an die 1950-er Jahre aufkommen lässt. Und hier sehen wir einen Trend, der uns anschließend durch alle Häuser begleitet: grüne Pflanzen oder üppige Blumensträuße. Das Restaurant mit einem umlaufenden Tresen orientiert sich zur Straße und ist direkt von dort zu erreichen. Auch die Bar ist sehr klassisch und spricht Kundschaft von außen an. Die 274 Zimmer – buchbar ab 212 Euro im Doppelzimmer – haben zahlreiche Stilelemente der 1950er-Jahre, wie kleine Anrichten oder Tische mit Marmorplatten und runden Lampenelementen. Dies wird bis in verschiedene Details der Zimmer durchgehalten. Die Bäder sind in schwarz-weißen Rautenmustern gestaltet.

 

 

Hyatt Regency

Und weiter geht es ins Hyatt Regency mit 211 Zimmern – ein Hotel,das aus zwei Häusern mit einem Alt-und einem Neubau besteht. Hier sieht man, dass viel Fläche Luxus bedeutet. Ein beeindruckender Eingangsbereich mit einer kompletten Pflanzenwand und Blumen, die aus schwebenden Kübeln wachsen. Das Interior Design im gesamten Hotel ist inspiriert vom benachbarten Botanischen Garten, den umliegenden Boulevards und dem Königlichen Zoo. Sehr hohe Räume, eine beeindruckend tolle Verarbeitung und Materialität, dazu natürlich Echtholz-Parkett in Fischgrät-Muster verlegt. Ein Raum, der neben einem komplett ausgestatteten Kochblock (auch für Koch-Events zu mieten) nur Sitzbänke auf verschiedenen Ebenen zum Verweilen enthält. Die Zimmer – buchbar ab 214 Euro – sind klassisch und hochwertig und bieten einen guten, aber seltenen Service: Im Schrank stehen Bügelbrett und Bügeleisen. Das Restaurantkonzept bietet indonesische Küche und eine auf die Region angepasste Ausstattung – die Lampenschirme sind zum Beispiel Fischfangkörbe. Schon selbstverständlich, dass das Restaurant sich zur Straße hin orientiert und damit das Hotel hinter sich lässt. Im Hyatt haben wir den ersten Kontakt mit einer neuen Aufzugstechnik. Man wählt das Stockwerk von außen und hat im Aufzug keine Wahlmöglichkeiten mehr, was zu-erst irritiert, aber die Beförderung deutlich beschleunigt. Daher wird dieses Modell bereits an zahlreichen Flughäfen eingesetzt. Motel One Waterlooplein Das neue Motel One mit 132 Zimmern, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Ibis und einem Holiday Inn Express gelegen, ist zentral und gut erreichbar. Das Zimmerkonzept ist bekannt, wird aber immer wieder leicht und stilvoll aufgebessert. Hier gibt ist es ein neues Betthaupt und den aus dem Haus am Berliner Alexanderplatz bekannten Zimmersafe. Ein wenig überraschend ist die Anzahl der Zimmer im Hotel – im Vergleich zum Alexanderplatz erscheint das Hotel mit 132 Zimmern schon fast klein. Dafür werden die öffentlichen Bereiche im Erdgeschoss immer detaillierter und witziger. Mit Elementen wie den grünen Samtsofas, den extravaganten Lampenschirmen oder von lokalen Künstlern gefertigten Barhockern kommt es den Boutique-Hotel-Nachbarn immer näher. Das Thema hier: Upcycling, inspiriert vom bekannten Flohmarkt am namensgebenden Waterloopl ein Platz. Hier gibt es Zimmer – wenn nicht wie so oft ausgebucht ist – ab 116 Euro die Nacht.

 

 

W Hotel

Bevor wir zum Abendessen gehen, nehmen wir uns Zeit für einen Aperitif in der Dachbar des W Hotel mit Pool und tollem Blick über die City von Amsterdam. Anschließend wechseln wir die Straßenseite und besuchen The Duchess, ein Restaurantkonzept von Liran Wizman, der mit seiner The Entourage Group Restaurants und mit seiner Europe Hotels Private Collection B.V. unter anderem die Sir Hotels und Max-Brown-Häuser in Deutschland verantwortet. Das Restaurant The Duchess befindet sich in einer denkmalgeschützten Schalterhalle einer ehemaligen Bank. Darüber befinden sich weitere Zimmer des W Hotels, der Concept Store X Bank sowie Konferenzräume. Der riesige Lampenschirm mit seinen fast schwebenden Leuchten in dem Kuppelsaal ist äußerst prunkvoll und erinnert unwillkürlich an den Festsaal von Hogwarts bei Harry Potter.

 

 

Moxy und Residence Inn

Am nächsten Morgen reisen wir in den Houthaven (Holzhafen), ein städtisches Entwicklungskonzept, bei dem aus dem ehemaligen Umschlagplatz für Holz ein neues Büro- und Wohnquartier entsteht. Hier findet sich ein spannender Mix aus Architektur für Büros, in die vornehmlich Modemarken einziehen werden, aber auch ein futuristisches Hochhaus, in dem sich ein Residence Inn und ein Moxy by Marriott wiederfinden. Beide Häuser werden von dem niederländischen Franchisenehmer Cycas Hospitality für Marriott betrieben. Es ist ein tolles Konzept, in dem sich im Erdgeschoss die öffentlichen Flächen des Moxy befinden, das Residence Inn aber nur einen kleinen Antritt hat und dafür sei-nen Empfang und die Lobby in das oberste Geschoss mit Panorama-blick verlagert. Die 60 Zimmer im Residence Inn – buchbar ab 138 Euro – sind komplett für den längeren Aufenthalt ausgestattet und verfügen, wie auch die 120 Zimmer im Moxy, über bodentiefe Fenster, was den Blick noch besser über die Weite des Wasser schweifen lässt. Oben befinden sich aber auch Meetingräume, die für die Gäste beider Marken zur Verfügung stehen. Ein Nacht im Moxy liegt bei 95 Euro. Im Untergeschoss finden wir einen Pool der mit einem Oberlicht und einem Atrium bis in den Himmel blicken lässt. Der sehr große und exquisit ausgestattete Fitnessbereich wurde an The Athletic Club abgegeben, steht aber auch allen Hotelgästen zur Verfügung. Der Trend zum Grünen lässt sich auch hier an den üppig beplanzten hängenden Gärten ablesen.

 

 

QO Amsterdam

Weiter geht es in das QO in Amsterdam Oost, ein markantes Hoch-haus, das ursprünglich als Kimpton an den Start gehen sollte – nur war das vorgenannte Kimpton schneller, und wohl auch zentraler gelegen. Also entschied man sich, das Haus unter der Eigenmarke QO, aber im Rahmen eines IHG-Franchise-Betriebs zu führen. Das es sich um ein ganz besonderes Objekt handelt, zeigt nicht zuletzt, dass es im Herbst 2018 mit dem Titel „Hotelimmobilie des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Gepunktet hat der innovative Mix aus Nachhaltigkeit und Lifestyle. Das Erdgeschoss wird für eine Bar und ein Restaurant genutzt und der Empfang ist in das 1. Obergeschoss verlagert, aber sehr gut über eine zentrale Treppe zu erreichen. Das Objekt gehört unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit sicherlich zu den besten in Europa und wurde auch mit LEED Platinum zertifiziert. Es gibt im ganzen Haus Kühldecken und es wird mit Betonkernaktivierung gearbeitet. Das Brauchwasser wird als Grauwasser wiedergewonnen und für die Toilettenspülungen eingesetzt. Die Fassade besteht aus einzelnen beweglichen Paneelen, die die Raumtemperatur durch automatisches Öffnen und Schließen bei Abwesenheit des Gastes halten. Auf dem Dach des Hauses findet Urban Gardening in großem Umfang statt und Fische werden dort in Becken gehalten. Die Rooftop Bar ist sehr cool und bietet Plätze mit einer wunderbaren Aussicht. Das Hotel ist mit modernster Steuerungstechnik ausgerüstet und bedient sich selbstverständlich–wie das Hyatt Regency - auch der neuen Aufzugstechnik. Die Zimmer sind sehr hochwertig und mit bodentiefen Fenster ausgestattet vom Flur geht auf der einen Seite das Bad ab und gegenüber liegt das offene Waschbecken – alles in schwarz gehalten. Dafür hat man ein sehr helles Zimmer mit hohen Decken und eine leicht bedien-bare TV-Technik. Die Nacht kostet ab 150 Euro.

 

 

Apollo Hotel

Auf dem Weg zum Flughafen machen wir noch Halt im historischen, gerade teilrenovierten Apollo Hotel, das anlässlich der Olympischen Spiele in Amsterdam 1928 eröffnet wurde. Dieses Haus mit 223 Zimmer ist in jedem Fall einen Besuch wert: Vom Empfang über die Zigarren-Lounge bis in die Küche mit Frontcooking ist es wunderbar im Stil der 20er-Jahre renoviert und neu möbliert worden. Besonders das am Wasser gelegene Restaurant, das wie ein Schiffsdeck gestaltet ist, hat es uns angetan. Die Zimmer – ab 130 Euro buchbar – sind teilweise renoviert. Die goldenen 1920er-Jahre wollen hier wieder aufleben.